Ratgeber · Sachversicherung

Betriebsstillstand absichern: So ermittelst du den Bedarf deines Betriebs

Von Andre Runge, Allianz Hauptvertretung in Hamburg Stand: September 2026 Lesezeit etwa 6 Minuten

Betriebsleiter kalkuliert laufende Kosten am Schreibtisch vor einer ruhenden Werkstatt.
Für den Bedarf zählen laufende Kosten, entgehender Ertrag und die realistische Dauer bis zum Neustart. Symbolbild (KI-generiert).

Einen Betriebsstillstand sicherst du mit der Betriebsunterbrechungsversicherung ab. Sie zahlt die Kosten, die im Stillstand weiterlaufen, und den Gewinn, der ausfällt, für die vereinbarte Haftzeit. Den Bedarf ermittelst du aus der BWA: fortlaufende Kosten plus Betriebsgewinn ergeben den Rohertrag, die Stillstandsdauer bis zum alten Umsatz ergibt die Haftzeit, beides zusammen die Versicherungssumme. Die fünf Schritte dafür stehen unten, mit einem Rechenbeispiel.

Welche laufenden Kosten bei einem Betriebsausfall versichert sind

Nach einem Brand, einem Wasserschaden oder einem Einbruch mit Vandalismus steht der Betrieb, der Umsatz nicht. Was weiterläuft, sind die Kosten, die du nicht kurzfristig abstellen kannst: Löhne und Gehälter mit Sozialabgaben, Miete oder Pacht, Leasingraten für Fahrzeuge und Maschinen, Kreditzinsen, Versicherungsbeiträge, Grundgebühren für Strom, Gas und Telefon, Steuerberater, Buchhaltung und Software-Abos. Genau diese Positionen ersetzt die Betriebsunterbrechungsversicherung, in vielen Tarifen Ertragsausfallversicherung genannt. Dazu kommt der Betriebsgewinn, den du in der Zeit erwirtschaftet hättest.

Nicht ersetzt werden Kosten, die mit dem Umsatz wegfallen: Wareneinsatz, Fremdleistungen, Verbrauchsmaterial, umsatzabhängige Provisionen, der Verbrauchsanteil der Energie. Sie entstehen im Stillstand nicht, deshalb gehören sie nicht in die Versicherungssumme. Wer sie trotzdem mitversichert, zahlt Beitrag für einen Schaden, der nie eintritt.

Zwei Voraussetzungen gelten immer. Erstens zahlt die Versicherung nur, wenn ein versicherter Sachschaden den Stillstand auslöst. Die Gefahrenliste deiner Inhaltsversicherung bestimmt also auch, wann der Ertragsausfall greift. Zweitens zahlt sie nur bis zum Ende der Haftzeit. Beides erklärt der Beitrag Sachversicherung oder Ertragsausfall im Zusammenhang. Hier geht es um die Rechnung.

Warum die Rechnung den Unterschied macht

Der häufigste Befund in Bestandsverträgen ist eine Betriebsunterbrechung, die als Baustein an der Inhaltsversicherung hängt und dieselbe Summe trägt wie das Inventar. Für eine Tischlerei mit Maschinen im Wert von 300.000 Euro heißt das: 300.000 Euro Ertragsausfall. Erwirtschaftet die Tischlerei aber einen Rohertrag von 650.000 Euro im Jahr, sind bei einem Stillstand über zwölf Monate mehr als die Hälfte der laufenden Kosten nicht gedeckt, und der Versicherer kürzt wegen Unterversicherung auch bei drei Monaten Stillstand anteilig. Die Summe stimmt nur, wenn sie aus der Gewinn- und Verlustrechnung kommt, nicht aus der Inventarliste.

In fünf Schritten zum Bedarf

Du brauchst die letzte BWA oder den letzten Jahresabschluss und eine halbe Stunde. Die Zahlen unten stammen aus einem gerundeten Rechenbeispiel für eine Tischlerei mit acht Mitarbeitern, kein echter Fall.

1. Die fortlaufenden Kosten sammeln

Geh die Kostenpositionen der BWA für zwölf Monate durch und markiere alles, was bei geschlossener Werkstatt weiterläuft. Im Beispiel: Personal mit Sozialabgaben 380.000 Euro, Miete 60.000 Euro, Leasing und Zinsen 40.000 Euro, Versicherungen, Grundgebühren, Steuerberater und Verwaltung 50.000 Euro. Fortlaufende Kosten: 530.000 Euro. Löhne gehören vollständig hinein, auch wenn Kurzarbeit denkbar wäre, denn im Stillstand willst du deine Leute halten und nicht an den Wettbewerber verlieren.

2. Den Betriebsgewinn dazurechnen

Nimm das Betriebsergebnis vor Steuern aus der BWA, im Beispiel 120.000 Euro. Fortlaufende Kosten plus Gewinn ergeben den Rohertrag: 650.000 Euro. Zur Kontrolle rechnest du von oben: Jahresumsatz 1,2 Millionen Euro minus Wareneinsatz 420.000 Euro minus umsatzabhängige Kosten 130.000 Euro ergibt ebenfalls 650.000 Euro. Stimmen beide Wege überein, hast du keine Position vergessen. Als Einzelunternehmer kommt dein kalkulatorischer Unternehmerlohn dazu, weil er in der BWA nicht als Personalkosten steht.

3. Die Haftzeit aus der Stillstandsdauer ableiten

Die Haftzeit ist die Zeit, für die der Versicherer zahlt, und sie muss bis zum alten Umsatz reichen, nicht nur bis zur fertigen Halle. Rechne den schlimmsten realistischen Fall durch, meist den Brand in den Hauptbetriebsräumen. Im Beispiel: Aufräumen und Sanierung vier Monate, Lieferzeit für die Formatkreissäge und das CNC-Bearbeitungszentrum acht Monate, parallel laufend, dazu Einrichtung und Einarbeitung zwei Monate, Kundenrückgewinnung vier Monate. Zusammen sechzehn Monate. Zwölf Monate Haftzeit wären hier zu kurz, achtzehn Monate sind die richtige Wahl. Gibt es Ersatzräume und Maschinen ab Lager, verkürzt sich die Zeit, und das gehört in die Rechnung genauso hinein.

4. Die Versicherungssumme hochrechnen

Rohertrag geteilt durch zwölf, mal Haftzeit in Monaten: 650.000 Euro geteilt durch zwölf mal achtzehn ergibt 975.000 Euro. Dazu das geplante Wachstum, denn der Schaden trifft das kommende Vertragsjahr, nicht das abgeschlossene Bilanzjahr. Mit fünf Prozent Wachstum liegt die Versicherungssumme bei rund 1.025.000 Euro. Diese Zahl steht im Antrag. Im Vergleich zur Inventarsumme von 300.000 Euro wird sichtbar, warum der Baustein zur Inhaltsversicherung für diesen Betrieb nicht reicht und eine eigenständige Betriebsunterbrechung mit eigener Summe gebraucht wird.

RechenschrittBeispiel TischlereiDein Betrieb
Fortlaufende Kosten (12 Monate)530.000 Euro
+ Betriebsgewinn vor Steuern120.000 Euro
= Rohertrag650.000 Euro
Haftzeit18 Monate
Rohertrag ÷ 12 × Haftzeit975.000 Euro
+ geplantes Wachstum5 Prozent
= Versicherungssummerund 1.025.000 Euro

5. Karenzzeit, Selbstbehalt und Bausteine prüfen

Im Angebot stehen drei Stellschrauben, die den Beitrag senken und im Schadenfall Geld kosten. Die Karenzzeit ist die Anzahl Tage nach dem Schaden, für die noch nicht gezahlt wird, üblich sind wenige Tage bis zwei Wochen. Der Selbstbehalt ist ein fester Betrag je Schaden. Beides darfst du bewusst wählen, wenn die Rücklage es trägt. Dann die Bausteine: Mehrkosten für Ersatzräume, Fremdfertigung und Expresslieferung verkürzen den Stillstand und sollten mit eigener Summe enthalten sein. Rückwirkungsschäden decken den Ausfall, wenn dein wichtigster Lieferant oder Abnehmer durch einen Sachschaden ausfällt. Die behördliche Schließung deckt den Stillstand, wenn nach einem Schaden in der Nachbarschaft der Zugang gesperrt wird. Für einen Betrieb mit einem einzigen Hauptlieferanten oder einem Ladenlokal in einer Passage sind diese Bausteine wichtiger als ein niedriger Beitrag.

Büro der Allianz Hauptvertretung Andre Runge in der Holstenstraße 201, Hamburg-Altona
Das Büro in der Holstenstraße 201, Hamburg-Altona. Die fünf Schritte rechnen wir hier oder per Video mit deiner BWA durch.

Drei Stolpersteine bei der Ermittlung

  1. Der Unternehmerlohn fehlt. Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften steht der Inhaber nicht in den Personalkosten. Sein Einkommen gehört über den Gewinn oder einen kalkulatorischen Unternehmerlohn in die Summe, sonst ist der wichtigste Mensch im Betrieb im Stillstand ohne Einkommen.
  2. Die Summe wird nie angepasst. Ein Betrieb, der in drei Jahren von acht auf zwölf Mitarbeiter gewachsen ist, hat seinen Rohertrag deutlich erhöht und die Versicherungssumme meist nicht. Die Rechnung gehört einmal im Jahr auf den Tisch, am besten wenn der Jahresabschluss kommt. Viele Tarife verzichten auf den Einwand der Unterversicherung, wenn die Summe nach dem Fragebogen des Versicherers ermittelt wurde, oder bieten eine Nachhaftung von einigen Prozent über der Summe. Ob dein Vertrag das enthält, steht in den Bedingungen.
  3. Der Stillstand beginnt nicht im eigenen Betrieb. Ein Cyberangriff legt die IT lahm, der Inhaber fällt durch Krankheit aus, der Zulieferer brennt ab. Die klassische Betriebsunterbrechung deckt nur den eigenen Sachschaden. Für IT-Ausfälle gibt es die Betriebsunterbrechung in der Cyberversicherung, für den Ausfall des Inhabers die Betriebsausfall- oder Praxisausfallversicherung, für den Zulieferer den Baustein Rückwirkungsschäden. Jede dieser Lücken ist ein eigener Punkt im Versicherungs-Check.

Häufige Fragen

Welche laufenden Kosten zahlt die Versicherung bei einem Betriebsausfall?

Die Kosten, die während des Stillstands weiterlaufen, obwohl kein Umsatz hereinkommt: Löhne und Gehälter samt Sozialabgaben, Miete oder Pacht, Leasingraten, Kreditzinsen, Versicherungsbeiträge, Grundgebühren für Energie und Telefon, Steuerberater und Verwaltung. Dazu kommt der Betriebsgewinn, der in dieser Zeit ausfällt. Nicht ersetzt werden Kosten, die im Stillstand wegfallen, etwa Wareneinsatz, Fremdleistungen und Verbrauchsmaterial.

Was kostet die Absicherung eines Betriebsstillstands?

Der Beitrag hängt an der Versicherungssumme, der Haftzeit, der Branche und der Gefahrenliste der zugehörigen Sachversicherung. Als Baustein zur Inhaltsversicherung kostet die kleine Betriebsunterbrechung für einen Handwerks- oder Handelsbetrieb oft nur einen Zuschlag im niedrigen dreistelligen Bereich pro Jahr. Die eigenständige Variante mit eigener Summe aus dem Rohertrag liegt darüber. Konkrete Beiträge gibt es nur mit den Zahlen deines Betriebs im Angebot.

Was passiert, wenn die Versicherungssumme zu niedrig ist?

Liegt der tatsächliche Rohertrag deutlich über der Versicherungssumme, kürzt der Versicherer die Entschädigung im Verhältnis der Unterversicherung, auch bei einem kurzen Stillstand. Viele Tarife bieten einen Unterversicherungsverzicht oder eine Nachhaftung, wenn die Summe nach dem Fragebogen des Versicherers ermittelt wurde. Ob deine Police das enthält, steht in den Bedingungen unter Unterversicherung oder Vorsorge.

Weiterlesen

Die Rechnung oben setzt voraus, dass die Sachversicherung dahinter stimmt, denn ohne versicherten Sachschaden zahlt keine Betriebsunterbrechung. Wie Inhaltsversicherung und Ertragsausfall zusammenhängen, welche Gefahren in die Grunddeckung gehören und wann der Baustein reicht und wann die eigenständige Variante nötig ist, steht im Beitrag Sachversicherung oder Ertragsausfall: Welche Absicherung braucht dein Betrieb?, mit drei Betriebsprofilen und den vier häufigsten Fehlern aus Bestandsverträgen. Welche Gefahren die Inhaltsversicherung überhaupt abdeckt und damit den Ertragsausfall auslösen kann, steht im Beitrag Feuer, Einbruch und Leitungswasser: Was deckt die Firmen-Inhaltsversicherung?.

Der nächste Schritt

Nimm deine BWA und füll die rechte Spalte der Tabelle aus. Dann lies in deiner Police nach, welche Summe und welche Haftzeit dort für die Betriebsunterbrechung stehen. Liegt deine Rechnung darüber, ist das der Punkt für den Versicherungs-Check: Wir prüfen die Zahlen mit dir, übersetzen sie in Summe, Haftzeit und Bausteine und zeigen dir, was der Unterschied kostet. Richtig abgesichert. Nicht nur irgendwo versichert.

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Andre Runge

Andre RungeAllianz Hauptvertretung in Hamburg-Altona, seit 2007. Schwerpunkt Gewerbe und Mittelstand, persönlich vor Ort in Hamburg und bundesweit digital.

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